© UNICEF/UNI849168/PanjwaniWas ist Periodenarmut: Schülerinnen und Schüler in Indien posieren mit Menstruationsprodukten.
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Was ist Periodenarmut?

Wenn Mädchen und Frauen nicht genug Geld für Menstruationsprodukte haben, nennt man das Periodenarmut. Erfahre hier, warum Mädchen und Frauen wegen ihrer „Tage“ weltweit benachteiligt sind und sogar ausgegrenzt werden – und was man dagegen tun kann. 

Das Wichtigste in Kürze

  • Millionen Mädchen und Frauen weltweit sind von Periodenarmut betroffen – so nennt man es, wenn sie sich keine Menstruationsprodukte leisten können.
  • Viele Mädchen fehlen wegen ihrer Periode in der Schule, oder werden vom gesellschaftlichen Leben ausgeschlossen.
  • Wir von UNICEF helfen weltweit mit Informationen, Hygieneprodukten und sauberem Wasser, Mädchen und ihre Rechte zu stärken.

Was bedeutet Periodenarmut?

Von Periodenarmut (auf Englisch „period poverty“) spricht man, wenn Mädchen und Frauen nicht genügend Geld haben, um sich während ihrer Menstruation Binden, Tampons oder andere Menstruationsprodukte zu kaufen. Einige verzichten dann ganz auf solche Produkte, andere nutzen Papier, Stoffreste oder sogar Plastiktüten als Alternative zu Binden.

Manchmal haben Mädchen und Frauen während der Periode auch starke Bauchschmerzen oder Kopfschmerzen. Dann brauchen sie vielleicht Schmerzmittel. Aber auch die sind teuer und nicht alle können sie sich leisten.

Menstruationsarmut ist ein weltweites Problem. Gerade in ärmeren Ländern sind viele Mädchen und Frauen durch ihre Menstruation benachteiligt. In den Schulen gibt es für sie oft keine Möglichkeit, sich mit Wasser und Seife zu waschen, oder es gibt keine (getrennten) Toiletten und keinen Ort, um Binden oder Tampons wechseln zu können.

Auch in Deutschland ist eine von vier Frauen von Periodenarmut betroffen.

Weniger Chancen für Mädchen durch die Menstruation

Auf der ganzen Welt gibt es Mädchen und Frauen, die durch ihre Menstruation benachteiligt sind. Dafür gibt es verschiedene Gründe.

  • Die Periode ist teuer: In Europa geben menstruierende Mädchen und Frauen bis zu 500 Euro im Jahr für Hygieneprodukte, Schmerzmittel und neue Unterwäsche aus.
  • Im Schnitt dauert die Periode 35 bis 40 Jahre. Im Laufe eines Lebens kommen so bis zu 20.000 Euro zusammen.
  • Auf der ganzen Welt haben ungefähr 500 Millionen Mädchen und Frauen nicht genug Geld, um Binden, Tampons oder Schmerzmittel zu kaufen.
  • Viele von ihnen gehen deshalb mehrere Tage im Monat nicht zur Schule oder zur Arbeit.
  • Ohne Menstruationsprodukte oder eine Möglichkeit, sich zu waschen, haben die Mädchen und Frauen ein höheres Risiko für Krankheiten.
  • In vielen Ländern werden Mädchen und Frauen wegen ihrer Menstruation stigmatisiert und ausgegrenzt. Sie dürfen zum Beispiel nicht das Haus verlassen, während sie ihre Periode haben.
Info: Der weibliche Zyklus
Was passiert bei der Menstruation?

Die Menstruation ist ein natürlicher Teil des weiblichen Zyklus. Sie beginnt bei Mädchen meist zwischen dem 11. und 15. Lebensjahr – manchmal früher, manchmal später.

Der weibliche Körper bereitet sich jeden Monat auf eine mögliche Schwangerschaft vor. Dazu baut die Gebärmutter eine Schleimhaut auf, in der ein Baby wachsen kann.

Wenn kein Baby entsteht, wird die Schleimhaut wieder abgebaut und die Gebärmutter von innen praktisch „gereinigt“. Es kommt zur Periodenblutung.

Die Menstruation ist also ein natürlicher Vorgang und völlig normal bei gesunden Mädchen und Frauen. In vielen Ländern wissen Mädchen aber nicht Bescheid, wenn sie zum ersten Mal ihre Periode bekommen. Viele haben deshalb Angst, dass sie sich verletzt haben oder krank sind.

Was bedeutet die Periode für die Geschlechtergerechtigkeit?

Geschlechtergerechtigkeit bedeutet, dass alle Menschen die gleichen Rechte und Chancen haben sollen – egal, ob sie Frauen oder Männer sind oder sich einem anderen Geschlecht zugehörig fühlen. In vielen Ländern haben Frauen nicht die gleichen Rechte wie Männer, oder sie werden anders behandelt.

Periodenarmut ist ein Beispiel für eine große Ungerechtigkeit. Wenn Mädchen zum Beispiel mehrere Tage im Monat nicht in die Schule gehen, weil sie sich keine Binden oder Tampons leisten können, verpassen sie Unterrichtsstoff und haben es später schwerer, einen guten Beruf zu finden. Frauen, die aufgrund ihrer Periode zu Hause bleiben müssen, können in dieser Zeit manchmal kein Geld verdienen.

Diese Probleme haben Jungen und Männer nicht. Deshalb ist es wichtig, dass Mädchen und Frauen sich mit Binden, Tampons oder Schmerzmitteln versorgen können, damit sie durch ihre Periode nicht schlechter dastehen. Periodenarmut betrifft vor allem Mädchen und junge Frauen auf der ganzen Welt.

Wusstest du das?
Die Periode bei anderen Geschlechtern

Wenn wir von Menstruation sprechen, denken wir als erstes an Mädchen und Frauen. Aber auch andere Personen haben ihre Periode. Zum Beispiel non-binäre Menschen, die sich weder männlich noch weiblich fühlen und Trans-Männer, die einen weiblichen Körper haben, sich aber als Mann fühlen. Diese Menschen können genauso von Periodenarmut betroffen sein und sich durch ihre Periode ausgegrenzt fühlen. Wenn wir in diesem Artikel von Periodenarmut und den Folgen für Betroffene sprechen, sind alle Menschen gemeint, die menstruieren.

Welche Kinderrechte werden durch Periodenarmut verletzt?

Wenn Mädchen wegen ihrer Periode benachteiligt werden, betrifft das auch ihre Kinderrechte. Mehrere grundlegende Rechte von Kindern können durch Menstruationsarmut verletzt werden.

Recht auf Gesundheit

Mädchen, die sich keine Binden oder Tampons leisten können, nutzen stattdessen manchmal andere Sachen – zum Beispiel Blätter, Lumpen oder Zeitungspapier. Oder sie wechseln die Produkte nicht so häufig, um Geld zu sparen. Dadurch können sich leichter Krankheitserreger verbreiten oder es entstehen unangenehme Gerüche.

Recht auf Bildung

Viele Mädchen verpassen während ihrer Periode den Unterricht, weil es in ihrer Schule keine getrennten Toiletten oder keine Möglichkeit zum Händewaschen gibt. Durch die Fehltage fällt es ihnen schwerer, in der Schule mitzukommen und einen guten Abschluss zu machen.

Recht auf Gleichbehandlung

In manchen Ländern gibt es viele Mythen oder seltsame Regeln rund um die Menstruation. Manchmal gelten Mädchen während ihrer Periode zum Beispiel als „unrein“. Sie dürfen keinen Sport machen, nehmen nicht am Unterricht teil und treffen sich nicht mit Freundinnen oder Freunden.

Was kann man gegen Periodenarmut tun?

  • Über Menstruation sprechen: Offene Gespräche über die Periode geben Mädchen Sicherheit. Aber auch Jungen können früh lernen, dass die Menstruation ganz normal ist – und kein Grund, Mädchen anders zu behandeln.
  • Aufklären: Mädchen können schon früh lernen, Hygieneprodukte wie Binden oder Tampons richtig zu verwenden. So haben sie keine Angst vor der Periode und können sich besser vor Infektionen schützen.
  • Fakten statt Märchen: Wenn Mädchen und auch Jungen über die Periode Bescheid wissen, können sie typische Mythen erkennen – zum Beispiel das Märchen, dass Mädchen „unrein“ sind, wenn sie ihre Tage haben.
  • Kostenlose Menstruationsprodukte: In Schottland zum Beispiel ist es Pflicht, dass es in Schulen, Universitäten und anderen öffentlichen Gebäuden kostenlose Binden und Tampons auf den Mädchentoiletten gibt.
  • Sanitäranlagen und sauberes Wasser: Auch in ärmeren Ländern muss es in den Schulen richtige Toiletten und eine Möglichkeit zum Händewaschen geben. Das ist nicht nur für Mädchen während der Menstruation wichtig, sondern für alle Kinder.
Autor*in UNICEF Redaktion

Diesen Artikel hat das Team der UNICEF-Redaktion für Sie recherchiert und verfasst.